Jubiläumsbeitrag April 2019: 25 Jahre SEC in Nepal

Auch das Senior Expert Corps (SEC) in Nepal feiert dieses Jahr ein Jubiläum: Seit 25 Jahren führen SEC-Expertinnen und -Experten ehrenamtliche Beratungseinsätze in Nepal durch. In dieser Zeit wurden mit 717 Einsätzen KMU und Institutionen professionell unterstützt. Eine Wirkungsstudie zeigt auf, wie zwischen 2013 und 2017 SEC-Kunden in Nepal von den Beratungseinsätzen profitieren konnten.

 

Nepal – ein vielfältiges Land

Nepal ist bekannt als Tourismusdestination mit einer immensen Vielfalt, reichem Erbe und einer eindrücklichen Berglandschaft. Auch die strategische Lage von Nepal ist von hoher Bedeutung: Sie liegt zwischen den beiden asiatischen Volkswirtschaften Indien und China. Seit 2007 gilt Nepal als Demokratie und wird seither mit einer neuen Verfassung geführt. Mit Wahlen auf allen Ebenen konnte in den letzten Jahren die lang erwartete politische Stabilität in Nepal erreicht werden. Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten wurden ausgeweitet: höhere Wachstumserwartungen in den Schlüsselsektoren wie Wasserkraft, Landwirtschaft, Tourismus, Bildung, Gesundheit und Infrastruktur. KMU, die als Familienunternehmen geführt werden, sind weiterhin das Rückgrat der nepalesischen Privatwirtschaft.

 

Rückblick erste SEC-Einsätze

1994 reiste das Ehepaar Huber für eine Beratungsanfrage einer Schuhfabrik erstmals im Auftrag des SEC nach Nepal. Eine Giesserei sowie ein Hotel wurden im Jahr 1995 von zwei weiteren SEC-Experten unterstützt und im Jahr 1996 waren es bereits 5 SEC-Kunden. Mit den Jahren wuchs die Anzahl der Beratungseinsätze in Nepal kontinuierlich an: 1998 bereits 18 Einsätze, 1999 21 Einsätze, 2000 37 Einsätze, 2012 47 Einsätze.

Manish Pandey war SEC-Koordinator von Januar 2001 bis März 2003. Heute ist er Swisscontact Regionaldirektor für Südasien. Die Koordination des ersten SEC-Einsatzes, seine Bemühungen, SEC-Kunden in Nepal zu akquirieren sowie die Wichtigkeit, die das SEC noch heute in der Region hat, beschreibt er wie folgt:

„Die ersten Experten, die ich während meiner Zeit als SEC-Koordinator in Nepal begrüssen konnte, war ein Bäcker-Ehepaar, welches die Pumpernickel-Bäckerei in Thamel unterstützte. Es war damals etwas schwierig, passende SEC-Kunden zu finden, da es den KMU und der Gesamtwirtschaft Nepals aufgrund des maoistischen Aufstands nicht gut ging. Dennoch wurde das Schweizer Fachwissen und dessen Wert sehr geschätzt, sodass einige Unternehmen für Kost und Logis aufkommen konnten und somit Expertinnen und Experten anforderten.

Heute, viele Jahre später, sind SEC-Einsätze in der Region noch immer sehr wichtig: Die SEC-Expertinnen und -Experten bringen hochwertige, erstklassige und präzise Fachkenntnisse in Verbindung mit einer beeindruckenden Berufserfahrung mit. Die Arbeitsethik, das Engagement und die Werte, welche die Expertinnen und Experten mitbringen, inspiriert die KMU – die Expertinnen und Experten werden zu Vorbildern. Die Beratungseinsätze haben eine unmittelbare Auswirkung auf die Leistung der Unternehmen, z.B. durch eine Verbesserung der Qualität, verbesserte Abläufe und somit bessere Resultate.“

 

Historisches Erdbeben der Stärke 7,9

Ein folgenschweres Erdbeben am 25. April 2015 stoppte die Durchführung der SEC-Einsätze in Nepal abrupt. Der in diesem Moment im Einsatz stehende SEC-Experte, der SEC-Koordinator Neeraj Singhal und eine SEC-Mitarbeiterin blieben zum Glück unverletzt. Jedoch war das Ausmass des Erdbebens erschreckend: Zerstörung ganzer Dörfer, Kathmandu geknickt und in ganz Nepal mehr als 8’600 Tote. Neeraj Singhal, SEC-Koordinator in Nepal seit 2003, erinnert sich noch gut an diesen verhängnisvollen Tag:

„Es geschah am Samstag, 25. April 2015, gegen Mittag. Ich war zusammen mit einem SEC-Experten und einer SEC-Mitarbeiterin im Auto in der Nähe der historischen Stätte von Boudhanath Stupa unterwegs, als plötzlich die Erde zu wackeln begann. Ich dachte, dass die Stadt Kathmandu zusammenbrechen und die Gebäude auseinanderfallen würden. Wir würden alle sterben. Die Erde zitterte rund 1 Minute lang wie ein Pendel mit wiederholten, kontinuierlichen Nachbeben.

Der SEC-Experte ermahnte mich, ruhig und im Auto sitzen zu bleiben, da dies für uns alle sicherer sei. Er war in dieser gefährlichen Situation – die ich das erste Mal in meinem Leben erfahren habe – mein Mentor.

Danach versuchte ich, meine Familie anzurufen. Es gelang mir, meine Frau zu kontaktieren. Sie konnte mich beruhigen, dass sie und mein Vater in Sicherheit seien. Jedoch war unser Sohn noch allein in unserer Wohnung in einem Haus mit 9 Stöcken. Meine Frau fand aber auch ihn in Sicherheit.

Um den SEC-Experten und die SEC-Mitarbeiterin an einem geschützten Ort zu wissen, fuhr ich sie zu einem erdbebensicheren Hotel und bat um Aufnahme. Die Zimmer waren überbucht, aber das Hotel stellte im Garten Betten zur Verfügung, da die Gäste dort auch während der Nachbeben, die alle 10 bis 15 Minuten auftraten, am sichersten waren. Danach fuhr ich sofort zu meiner Familie nach Hause.“

Je nach Standort der SEC-Kunden (Nähe des Epizentrums) waren die Schäden schwerwiegend oder weniger schwer. Ca. 100 der 700 SEC-Kunden waren betroffen, waren jedoch bereits nach sechs bis neun Monaten wieder zurück im Geschäft. Die Mehrheit der Kunden war nicht betroffen, da sich das Erdbebenepizentrum in einer Aussenregion des Bezirks Sindhupalchowk befand.

Über mehrere Wochen folgten zahlreiche weitere, teils schwere Nachbeben. So sah sich das SEC gezwungen – um die Sicherheit der Expertinnen und Experten zu gewährleisten – auf die Durchführung von SEC-Einsätzen in Nepal zu verzichten. Erst im August 2015 wurden wieder zwei Experten nach Sindhuli und Pataleban gesendet. Trotz der schwierigen Umstände konnten in diesem Jahr total 43 Beratungseinsätze durchgeführt werden.

 

Zurück zur Normalität

Dass in den Folgejahren die SEC-Einsätze wieder im normalen Rahmen aufgenommen werden konnten, war für die Kunden und das SEC keine Selbstverständlichkeit. Ein im 2016 geschaffenes, besonderes Produkt war denn auch ein Film (hier zur Kurzversion), welcher vier SEC-Einsätze in Nepal porträtiert und Einblick auf Kunden- und Expertenseite gewährt.

Die Anzahl der durchgeführten Einsätze in Nepal hat sich zwischen 35 und 45 Einsätze pro Jahr eingependelt. Im Jahr 2018 profitierten rund 1’800 Angestellte von 36 Beratungseinsätzen, die von gesamthaft 5 Expertinnen und 26 Experten geleistet wurden.

Vier Jahre später hat sich Nepal mit einer stabilen Regierung und einem Wachstum der KMU erholt und nimmt wieder Fahrt auf. Das Land und die Mehrheit der SEC-Kunden haben sich von der abrupten wirtschaftlichen Abkühlung regeneriert und die materiellen Schäden des verheerenden Erdbebens überwunden.